Das richtige Material fürs Schneidebrett

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Material – die Qual der Wahl



Schneidebretter gibt es in den verschiedensten Materialien. Es gibt sie aus Holz, Kunststoff, Glas, Marmor und aus Verbundwerkstoffen wie Richlite. Fast alle dieser Materialien haben Stärken und Schwächen, die ich versuchen werde hier herauszuarbeiten. Bei der Materialwahl sind verschiedene Kriterien zu beachten. Klingenfreundlich sollte das Material sein, hygienisch, pflegeleicht und möglichst auch noch super aussehen.

Das Thema Hygiene und Pflege von Schneidbrettern ist im Detail sehr umfangreich und eng verbunden mit der Materialwahl. Wir besprechen das an anderer Stelle noch genauer, wollen aber auch hierzu nachfolgend einen Überblick geben.

Schneidebretter aus Glas, Marmor und Schiefer:

Ich beginne ganz bewusst mit diesen Materialien, da sie für mich gar nicht in die Kategorie „Schneidebrett“ einzuordnen sind. Es mag sein, dass diese Bretter, was Pflege und Hygiene betreffend ganz weit vorne sind. Betrachtet man die Situation aber mal aus der Perspektive eines in 47 Schritten gefertigten, liebevoll handabgezogenen Messers, wird schnell klar: DAS GEHT NICHT! Schon beim ersten Ton, den die Klinge auf dem harten Material erzeugt wird das jedem im Umkreis von 15 Metern schmerzhaft bewusst. Als Solinger ist es hier also meine Pflicht dieses No-Go auch anzusprechen.

Sehr gut eignen sich Bretter aus diesen Materialien aber zum Servieren! Wurst, Käse, Schinken und Antipasti sind hier gut aufgehoben. Sie nehmen keine Gerüche an, können in der Spülmaschine gereinigt werden und es gibt da wirklich sehr schöne Varianten.

Schneidebretter aus Kunststoff:

Lange Jahre galten Kunststoffbretter in der privaten Küche und in der Gastronomie als das non plus ultra, vor allem aus hygienischer Sicht. Die meisten Kunststoffbretter bestehen aus Polyethylen, kurz PE, einem Kunststoff auf Erdölbasis. Im Gegensatz zu Holzbrettern können sie in der Spülmaschine und auch bei hohen Temperaturen gereinigt werden, sie sind günstig und klingenschonend. Allerdings stellte sich bei Forschungen rund um das Thema Schneidebretthygiene heraus, dass die tiefen Schnitte die man den Brettern zufügt einen guten Nährboden für Keime aller Art darstellen. Da dem Kunststoffbrett die natürlichen Inhaltsstoffe fehlen, die Keimen und Bakterien den Gar aus machen, solltest also auch bei einem Kunststoffbrett auf gründliche Reinigung achten. Die Spülmaschine alleine wird es nicht immer richten. Da man PE jedoch ähnlich bearbeiten kann wie Holz, besteht die Möglichkeit es vom Tischler abhobeln zu lassen.

Schneidbretter aus Holz:

Das Holzbrett - der Klassiker. Alle Schneidebretter waren früher aus Holz, bis in den 50er und 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Kunststoffe die Märkte eroberten. Seit vielen Jahren erfreuen sich Schneidebretter aus Holz wieder steigender Beliebtheit – und das vollkommen zurecht. Holz ist ein natürlicher, nachwachsender Rohstoff und bringt alle Eigenschaften für gute Schneidebretter mit sich. Sie sind klingenschonend, die Inhaltsstoffe, wie zum Beispiel Gerbsäuren, wirken antibakteriell und sorgen für eine gute Bretthygiene. Ein Wermutstropfen ist es natürlich, dass Schneidebretter aus Holz nicht in die Spülmaschine dürfen. Aber man darf sie natürlich schrubben und bürsten und sie danken die Pflege mit einer schönen Patina.
Hölzer nehmen Aromen eher an als Kunststoffe, aber es gibt diverse Tricks, wie man dem begegnen kann.

Bei der Auswahl der Holzart gibt es natürlich einige Auswahlkriterien:

  • Der persönliche Geschmack: gefällt Dir eine Holzart nicht, ist es natürlich keine Option.
  • Helle Hölzer neigen eher zu Verfärbungen als dunkle.
  • Holzarten mit hohem Gerbsäure-Anteil haben eine hohe antibakterielle Wirkung.
  • Es kommt nicht nur auf die Härte an. Nussbaum und Obsthölzer wie Kirschbaum sind zwar nicht so hart wie Eiche, aber dafür ist ihr Holz sehr fein und dadurch auch gut geeignet für Schneidebretter.
  • Nadelhölzer hingegen sind zu weich um sinnvoll und langjährig als Schneidbrett zu dienen
  • Buche wird oft als Holz für Schneidbretter genutzt, ist aber unserer Meinung nach nicht das optimale Holz. Obwohl es hart und fein ist, kommt es nicht gut mit Feuchtigkeit klar, arbeitet viel und neigt zu Verfärbungen. Aber dennoch kann man mit einem gut verarbeiteten Buchenbrett seine Freude haben.

Unsere Favoriten bei den Holzarten für Schneidebretter sind Eiche, Nussbaum und Obsthölzer. Bei Servierbrettern ist die Bandbreite da noch etwas größer.

Richlite – die eierlegende Wollmilchsau ?

Ein gar nicht so neues Material, was aber immer noch kaum jemand so richtig auf dem Schirm hat, ist Richlite. Im Handel bisher vor allem unter dem Markennamen Epicurean bekannt geworden, ist es nun auch auf dem deutschen Markt als Plattenmaterial erhältlich, so dass auch kleinere Produzenten die Möglichkeit haben dieses Material für ihre Produkte zu benutzen.

Richlite ist ein Holzfiberlaminat. Holzfasern, Papierfasern und Recyclingmaterialien werden mit Harz zu Platten verpresst, die extrem widerstandsfähig und trotzdem klingenschonend sind. Das schwarz durchgefärbte Material ist hitzebeständig bis 176 Grad, antibakteriell, spülmaschinenfest, sieht gut aus und kann im Wesentlichen wie Holz bearbeitet werden. Das heißt, man kann das Schneidebrett aus Richlite ebenfalls abschleifen und ölen.

Es ist auch haptisch recht ansprechend, erreicht jedoch nicht den Wohlfühl-Effekt eines Holzbrettes.